Trotzköpfe

Erziehen, aber wie?
Kinder in der Trotzphase „lieben“ große Auftritte: Scheinbar nichtige Anlässe reichen aus, um mit Schreien, Zusammenbrüchen und vorübergehender Hysterie zu reagieren. Wutausbrüche, die Eltern mal hilflos, mal aggressiv machen – die aber in jedem Fall eine angemessene Reaktion erfordern. Was aber ist angemessen bei den kleinen Trotzköpfen?

Wissen hilft
Die ersten Anzeichen für die entwicklungsbedingte Trotzphase sind oft schon bei Zweijährigen erkennbar. In den folgenden Lebensjahren äußern sich die Symptome massiver – bis sie etwa im sechsten Lebensjahr abebben.

Klassisches Beispiel: die Wutattacke vor der Supermarktkasse. Mama und Kind warten, dann entdeckt der Nachwuchs die kleine Leckerei für zwischendurch. Und zwischendurch ist jetzt. „Das will ich haben“, heißt es fordernd. Genauso bestimmt kommt die Antwort: „Nein!“ Der Rest ist bekannt. Sohn oder Tochter legen einen bühnenreifen Auftritt hin – brüllen und sorgen für Kurzweil an der Kasse, jedenfalls bei den Unbeteiligten. Für die betroffenen Eltern sind solche Situationen immer wieder eine Herausforderung: Bewahren sie die Fassung und die erzieherische Konsequenz oder wird nachgegeben und der Wunsch erfüllt?
In jedem Fall hilft es, in diesen unangenehmen Momenten zu wissen, was in den Trotzköpfen eigentlich vorgeht.

Im zweiten Lebensjahr beginnt bei Kindern das Streben nach Autonomie, nach Eigenständigkeit. Zu beobachten etwa auf dem Spielplatz, wenn sich Tochter oder Sohn Schritt für Schritt weiter von den Eltern wegtrauen. Zunächst muss der Sichtkontakt noch unbedingt gehalten werden, aber mit der Zeit darf er schon mal kurzfristig abreißen. Das Kind entfernt sich vom sicheren Hort der Eltern, der bislang Geborgenheit garantierte. Das fördert das Selbstbewusstsein, denn Kind traut sich was, und erworbene Fähigkeiten werden teilweise ohne Mama oder Papa weiterentwickelt. Aber sie werden nicht perfektioniert. Die Kleinen müssen nach wie vor mit altersbedingten Defiziten leben. Und da liegt das Problem: Kinder zwischen zwei und sechs Jahren wollen ganz viel, stoßen aber permanent an ihre Grenzen. In diesen Momenten sind ihre Eltern wieder präsent – sagen, wo’s langgeht und verneinen Wünsche wie Forderungen, wenn die Zeit dafür noch nicht reif ist. Das ist der Nährboden für Konflikte, für Verzweiflungsattacken während der Trotzphase. Denn in diesen Situationen erleben Kinder ihre Grenzen besonders deutlich – und diese Einschränkungen würden sie am liebsten wegschreien oder mit den Füssen wegstampfen.

Es geht vorbei
Auch, wenn es banal klingt: Eltern bleibt während der Trotzphase ihres Kindes nicht viel anderes übrig, als immer wieder zu versuchen, Fassung zu bewahren. Das fordert Disziplin, denn Trotzen kann sogar körperlich werden – bis zum Hieb gegen die Eltern.

Während der Trotzphase ist es für Eltern in jedem Fall hilfreich zu wissen, dass ihr Kind während dieser schwierigen Jahre ständig dazulernt. Es begreift die Notwendigkeit von Kompromissen, von Rücksichtnahme, von gegenseitiger Akzeptanz. Ohne diese Entwicklungszeit wird aus einem Kind kein eigenständiger Mensch. Und noch etwas:
 
Droht eine Situation zu eskalieren, ist es im Zweifelsfall sinnvoll, das Zimmer zu verlassen. Denn sicher ist: Der „Tobsuchtsanfall“ geht schneller zu Ende, wenn für das Kind der vermeintliche Kontrahent körperlich vorübergehend nicht mehr präsent ist. Im Supermarkt hilft diese Strategie natürlich nicht. Da gibt es nur eins: Augen zu und durch.
Hinterher sind aber auch klare Worte gefordert: „Du hast mich weder zu beschimpfen noch zu schlagen noch hast du die Türe zuzuknallen.“ Verbal ist deutlich zu machen, wer zu Hause das Sagen hat: die Eltern, aber nicht der Fünfjährige.

Die Trotzphase der Kleinen geht vorbei – bis zur Pubertät, wo es dann heißt: Auf ein neues …!